Wracktauchen mit der
"Fritz Reuter" Juni `00
Urlaub von Himmelfahrt bis Pfingsten und keiner hatte Zeit für eine Woche
mit mir zum tauchen zu fahren. Was also tun ?
So saß ich da und blätterte meine alten Zeitschriften von
"Unterwasser" durch und versaute mir die Stimmung mit den super
Tauchfotos aus allen warmen Meeren dieser Welt......
Doch da.... was war das ? Wracktauchen in der Ostsee.... hmmm Ostsee - kenn ich
schon.
Ausfahrten für mehrere Tage..... hmmm - kenn ich nicht! Ein Gedanke war geboren
:-)
Flugs ans Telefon und einige Infos eingeholt die dann auch prompt am nächsten
Tage per Fax eintrudelten.
Ja, das sollte es sein. Wracktauchen mit dem Tauch- und Expeditionsschiff
"Fritz Reuter". Pfingsten 4 Tage kreuz und quer durch die Ostsee und
ein paar neue Wracks erkunden. Zwar keine Woche aber immerhin...
Wracktauchen mit einem fremden Buddy ? Nene... nicht in der Ostsee - da war das
nächste Problem, das sich dann aber doch recht schnell in Luft auflöste. Es
ist gut Taucher zu kennen die Wracks in der Ostsee noch mehr lieben wie ich...
Ein kurzer Anruf und Heinz Lübke war Feuer und Flamme. Unsere Frauen eher
weniger als sie feststellen mußten das sie Pfingsten alleine verbringen durften
;-)
Nunja - Heinz und ich ging es in dieser Beziehung ein wenig besser - Termin:
Wismar, 09.06.00, 22.00 Uhr, im alten Hafen an Bord der "Fritz
Reuter".
Die Fitz Reuter in Wismar
Die Fritz Reuter ist ein zum Tauchschiff umgebauter
Hochseetrawler mit 150 BRT. Länge ü.A. 26m, Breite ü.A. 6,8m, 10Kn
Reisegeschwindigkeit.
Sie verfügt über 24 geheizte Kojen. 7 davon sind allerdings für die Crew
reserviert. Eine Dusche ist selbstverständlich vorhanden.
Ein 300 Bar Kompressor, ein Schlauchboot sowie div. Rettungsmittel sind auch an
Bord zu finden.
Im großen und ganzen macht das Schiff einen
soliden und gut durchdachten Eindruck. Am Heck befindet sich z.B. eine große
hydraulische Aluminiumrampe mit Sprossen von der aus man sehr bequem ins Wasser
gelangt. Bei Bedarf kann diese ganz abgesenkt werden um einen Taucher, wenn er
sich an den Sprossen festhält, an Bord zu heben.
Auch die Tauchleiter fällt sehr üppig aus. Dank der großen Sprossen
kommt man auch mit vollem Gerödel wieder sicher und bequem an Bord zurück.
Die Crew ist echt cool und auch der Skipper weiß wo es langgeht. Nicht zuletzt
mit Hilfe des ausgezeichneten GPS Systems mit dem er jedes Wrack gefunden hat
das er ansteuerte.
An diese Stelle nochmal einen Dank und Grüße an Maik den Skipper, Uli der
über Bord gegangen ist, Lucky der als letzter in Bett ging und als erster
wieder zu sehen war und den Rest der Crew. Ich sage nur Warnemünde und
das Ahlahabra?? Alhambrra?? Allallaaadaraa??? Hmmm achneeee Alabama hiess der
Schuppen - aber nach der Nacht heißt der Laden warscheinlich "Zum Fritz
Reuter Blues".
Sie kamen, sie sahen und sie sangen aus vielen Kehlen. Wie
sie wieder an Bord kamen wissen sie selbst nicht mehr so genau... ;-))))))
Das "Tauchteam"
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![]() Maik, der Skipper und Heinz auf der Brücke |
![]() Blick auf das Deck |
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![]() Frühstück an Deck |
![]() Frühstück nach langer Nacht ;-) |
Die Reise und das Tauchen
Am 9.6.00 trafen mein Kollege Heinz und ich gegen 22.00
Uhr in Wismar am alten Hafen ein und nachdem wir unser Gerödel verstaut hatten
ging es erstmal zum essen.
Gegen 1.00 Uhr waren wir dann wieder zurück an Bord und hauten uns in die
Kojen. Um 4.00 Uhr startete Maik dann den Diesel und die Fahrt ging los in
Richtung Roedby.
Kleiner Tipp: Leute mit leichtem Schlaf sollten ruhig Ohrenstöpsel mitnehmen
wenn sie nicht auf das Wummern von Schiffsdieseln stehen. Es gibt aber auch
Kollegen die können durch das monotone Stampfen super einschlafen hat man mir
versichert. Allerdings könnte der schnarchende Kojennachbar, es sind vier Kojen
in einer Kabine, dem sanften entschlummern ein Strich durch die Rechnung machen -
hallo Heinz ;-)))))
Am nächsten Tag gegen 8.00 Uhr traf man sich dann bei strahlendem Sonnenschein
an Deck zum Frühstück wieder.
Mit frischen Brötchen aus dem Ofen, Marmelade, Nutella, Wurst, Käse und Kaffee
startete man dann komfortabel in den Tag.
Vor Roedby gab es dann den ersten Tauchgang. Das Wrack der S 226.
Das Boot wurde von seinem derzeitigen
Kommandanten, Obltn. zur See - Hans Heinrich von Glasenapp, am 6.5.45 nach einem
Fliegerangriff selbst versenkt.
Der Kommandant und die Besatzung gingen dann ohne Verluste an Land.
Was die Sache spannend macht - es ist noch ein scharfer Torpedo an Bord. Sehen
kann man ihn leider nicht da er noch in dem Abschussrohr steckt aber spannend
ist das schon.
Das relativ gut erhaltene Wrack steht auf ebenen Kiel in einer Tiefe von 19.5
Metern und ist gut zu betauchen.
Leider war die Sicht nicht gut, so das die Fotos keine überragende Qualität
haben.
Im aufgerissenen Heck befindet sich eine menge Munition die man in sicherem
Abstand betrachten sollte. Außerdem findet man noch diverse
Ausrüstungsgegenstände wie das Wehrmachtskochgeschirr auf
dem mittleren Foto. Über dem Kochgeschirr ist auch
noch ein zerstörtes Funkgerät zu sehen. Ein Stück weiter liegen Flakmagazine.
(zum vergrößern Bilder anklicken)
Nach dem Tauchgang gab es dann
Mittagessen. Sauerkraut mit Kasseler, Kochwurst, Kartoffeln und Kartoffelpüree.
Was soll ich sagen - es hat lecker geschmeckt.
Müde und satt - was gibt es besseres.
Nach einiger Zeit kam dann Gedser in Sichtweite und ein neuer Tauchgang stand
an. Es ging zum Wrack der Waltraut Behrmann, die 1974 in einem Unwetter sank.
Das Wrack liegt in einer Tiefe von 18,6 Metern auf der Backbordseite und ist mit
seinen 105 Metern schon ziemlich imposant. Wenn man durch die Laderäume taucht
kommt man sich schon recht klein vor. Außer den riesigen Laderäumen gibt es
auch etliche Stellen zum Einstieg in das Wrack. Das sollte allerdings erfahrenen
und vor allen Dingen richtig ausgerüsteten Tauchern vorbehalten bleiben. Es ist
teilweise sehr eng und ein Reel ist bei dieser Wrackgröße Pflicht wenn man
wieder heraus will.
Es gab so viel zu sehen und zu entdecken das wir hier zwei Tauchgänge machten.
Leider war auch hier die Sicht nicht sonderlich gut - naja die Ostsee im Sommer
halt.

(zum vergrößern Bilder anklicken)
In Gedser verbrachten wir die Nacht -
natürlich nicht ohne ein dänischen Bier in der Hafenkneipe gehabt zu haben
;-).
Am nächsten Morgen legten wir nach dem Frühstück ab in Richtung Darsser Ort.
Dort erwartete uns ein deutsches Mini U-Boot das am Ende des Krieges dort warscheinlich von seiner Besatzung in einer Tiefe von 17,7 Metern auf Grund gelegt wurde. Das 13 Meter lange U-Boot vom Typ Seehund, es wurden nur ca. 800 Stück davon gebaut, ist recht gut erhalten. Man erkennt sehr gut die Klammern mit denen zwei torpedoförmige Sprengladungen an den Seiten befestigt wurden. Auch die Schraube ist noch nicht abmontiert worden.





(zum vergrößern Bilder anklicken)
Von hier aus ging es dann weiter zur
Sandtrans. Ein ca. 60 Meter langer Sandtransporter der Kieloben in einer Tiefe
von nur 11 Metern auf dem Grund der Ostsee ruht. Im nun umgedrehtem Laderaum
befindet sich immer noch die Sandladung - allerdings verkehrt herum. Man kann
sich auch Teile des Innenschiffes anschauen wie z.B. einen gekachelten Waschraum
in dem der Fußboden nun als Decke herhalten muss.
Leider war hier die Sicht so Mies, das ich in höchstens drei Metern Entfernung
das Wrack nicht sehen konnte. Heinz, den ich sofort nach dem Abtauchen verloren
hatte, amüsierte sich allerdings köstlich im inneren der Sandtrans. Somit sind
hier leider keine Fotos zu sehen.
Dann ging es nach Warnemünde wo wir einen
Grillabend an Bord geplant hatten. Sogar ein Gasgrill ist an Bord vorhanden.
Tolle Sache - vor allen Dingen wenn man nach dem Tauchen einen Bärenhunger hat.
Eigentlich wollten wir den Abend bei einem Bier in einer gemütlichen Kneipe
ausklingen lassen.... eigentlich.....
Das ganze gipfelte dann in Selbiger in einer Gesangsorgie nicht ganz ohne
Alkohol aus. Gruß nochmal an Herrn Säuferle .... nein .... er heißt
tatsächlich so und so lustig wie sein Name ist er auch selbst. Seine vom
Publikum extatisch beklatschten Gesangseinlagen, sein Spitzname ist
"Pavarotti", brachten die Stimmung dann zum kochen. Wow... was für
eine Nacht. Auf Einzelheiten möchte ich nicht näher eingehen ;-))))
Naja... beim Hellwerden fanden wir doch noch den Weg zurück auf das Schiff -
mit einigen Ausnahmen allerdings. Die letzten Kollegen trudelten dann bei
strahlendem Sonnenschein ein, wobei "trudeln" wohl der passende
Ausdruck war.
Auf dem Weg von Warnemünde nach Wismar
war ein Tauchgang am "Geisterschiff" geplant. Geisterschiff deshalb,
weil es mit Fischernetzen behängt ist und in dem diffusen grünem Ostseewasser
sehr gespenstisch aussieht. Leider musste dieser Tauchgang wegen zu hohen Wellen
ausfallen.
Glücklicherweise nahm der Wind etwas ab und wir machten einen letzten Tauchgang
an einem ca. 30 Meter langen Ziegelewer der rund eine Stunde von Wismar in einer
Tiefe von 22,5 Metern auf ebenen Kiel auf Grund liegt.
Man findet noch viele Tonziegel in den Laderäumen des sehr gut erhaltenen
Wracks.
Besonders schön ist der Bewuchs. Der Ewer ist über und über mit Seenelken
bewachsen. Ein wirklich tolles Bild.



(zum vergrößern Bilder anklicken)
Nach diesem Erlebnis ging es dann zurück nach Wismar wo wir
unser Gerödel in die Autos luden und und nicht ohne Wehleid verabschiedeten. Es
waren vier tolle Tage mit netten Mittauchen und einer tollen Crew.
Für mich steht jedenfalls fest das diese Fahrt mit der Fritz Reuter dieses Jahr
nicht meine letzte war. Das lockere Miteinander und auch das ungezwungene
Tauchen haben mir sehr gut gefallen.
Liebe Fritz Reuter Crew macht weiter so und viele Taucher werden ihren Spaß mit
euch haben.
Das war es wieder einmal. Ich hoffe allen Tauchen und natürlich
auch
Nichttauchern hat dieser Bericht Freude gemacht.
Auf meiner Linkseite findet ihr auch demnächst einen neuen Link mit mehr Infos zur
Fritz Reuter.
Viele Tauchergrüße - Euer Chris